Alle Jahre wieder ist der Tourenclub Wohlen eine Woche mit Ruedi Kellerhals unterwegs. Dieses Jahr leider, krankheitsbedingte Ausfälle, nur zu viert – im zarten Alter zwischen 59 bis 76 Jahren.
Nach einem frühen Start am Sonntagmorgen in Bern standen wir bereits kurz nach 10 Uhr auf den Tourenski. Auf dem Parkplatz zu den Skiliften von Crévacol standen fünf grosse Reisecars, teilweise mit laufendem Motor – offenbar eine italienische Methode zur Lawinenprävention. Der Aufstieg auf der gegenüberliegenden Seite des Skigebietes Richtung Finestra di Serena ging flott, bis wir kurz vor dem Pass auf noch nie gesehenes Phänomen trafen: 125 Mitglieder des CAI Torino, die offenbar alle gleichzeitig den Berg runter wollten, kamen uns entgegen. Trotz ziemlich zerfahrener Abfahrt fanden wir doch noch ein etwas Pulverschnee.
Im Hotel in Étroubles wurden wir mit einem feinen Apéro und einem italienischen Znacht empfangen – ein Programm, das sich glücklicherweise an den folgenden Abenden bewährte und nie langweilig wurde. So gab es auch immer wieder angeregte Diskussionen am runden Tisch.
Am Sonntag noch Hochnebel, am Montag dann dichter Nebel. Also entschieden wir uns für eine gemütliche Waldtour Richtung Alpe d’Arsy und danach zum Lädelen nach Aosta zu fahren. Der Aufstieg glich einem Orientierungslauf auf Ski. Nach einem kurzen Mittagsrast ging es wieder abwärts, Ziel war ein Waldweg zurück zum Ausgangspunkt. Leider existierte dieser Weg offenbar nur noch auf den Karten. Irgendwann schnallten wir die Skis auf den Rucksack und vernichteten 150 Höhenmeter zu Fuss durch dichten Wald, über umgestürzte Bäume hinweg. Vielleicht war das der Ersatz für den Bregenzerwald, unser ursprüngliches Ziel? Und das Lädelen? Fiel dem Zeitmanagement zum Opfer.
Dienstag und Mittwoch dann: Grand Bleu! Endlich Postkartenwetter, das wir in vollen Zügen auskosteten. Es ging auf den Mont de Flassin und die Punta Valletta. Für die letzten 300 Höhenmeter zogen jeweils die beiden jüngeren Teilnehmerinnen mit Ruedi davon, während die beiden Älteren strategisch klug einen etwas tieferen Ausgangspunkt für die gemeinsame Abfahrt erklommen.
Am Donnerstag, dem leider schon letzten Tourentag, fuhren wir über den Grossen St. Bernhard zum ehemaligen Skigebiet Espace Super Saint-Bernard. Start war bei der alten Talstation. Serienfans aufgepasst: Hier wurden Teile der letzten Staffel von Tschugger gedreht! Von dort aus ging es Richtung Les Monts Telliers. Die über 1’100 Höhenmeter zogen sich in die Länge, aber wir wurden mit einer grandiosen Aussicht und ein paar letzten Kurven im Pulverschnee belohnt.
Trotz prekären Schneeverhältnissen erlebten wir wunderbare Skitouren mit erstaunlich vielen Pulverschwüngen – dank Ruedi, der offenbar immer noch irgendwo ein unverspurtes Hängli kennt. Danke Ruedi auch für die umsichtige Tourenplanung und das angepasste Tempo, sodass wirklich alle auf ihre Rechnung kamen – inklusive Genuss, Sicherheit und Humor.

