Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Skitouren und Freeride auf Hokkaido

Januar 2026

Bericht von Fabrice, 29.01.2026

Skitouren und Freeride auf Hokkaido (übersetzt aus dem französischen)

Anreise nach Niseko

Der Wecker klingelt um 4.00 Uhr, das tut weh. Um 5.00 Uhr hole ich Robi ab, gemeinsam treffen wir Roger beim Zug um 5.38 Uhr in Aigle. Von Genf fliegen wir nach München, gerade genug Zeit für ein Bier und eine Brezel, dann geht es weiter auf den 14-stündigen Flug nach Tokyo. Dort steigen wir um in den letzten Flug nach Sapporo.

Spätestens beim Essen im Restaurant ist klar: Wir sind in Japan. Das Essen wird von einem Roboter serviert, der selbstständig durch das Lokal fährt und Musik abspielt. In Sapporo treffen wir unseren Guide Stefan, der zusammen mit Michael, dem vierten Teilnehmer, von Zürich angereist ist.

Mit dem Mietbus geht es weiter Richtung Niseko. Nach rund 30 Minuten wird die Strasse wegen Wild gesperrt, wir sehen mehrere Rehe. Auch die Umfahrungsroute ist kurze Zeit später ebenfalls gesperrt. Schlussendlich erreichen wir das Hotel mit 1 Stunde und 15 Minuten Verspätung. Insgesamt sind wir über 32 Stunden von Tür zu Tür unterwegs. Noch einen kleinen Happen essen, dann ab ins Bett. Morgen wartet der Pulverschnee.

Freitag, 16.01.2026

Freeride in Niseko

Stefan schlägt vor, den Tag ruhig anzugehen. Nach einem grosszügigen Frühstück lösen wir den Skipass und verbringen den Tag im Freeride-Gebiet. Es schneit den ganzen Tag, wir fahren hauptsächlich im Wald. Birken dominieren, dazwischen leuchten grüne Bambusfelder. Die japanische Pulverqualität ist einzigartig.

Zum ersten Mal fahre ich mit einem Einersessellift ohne jegliche Sicherung. Praktisch, da der Rucksack nicht abgenommen werden muss. Danach schultern wir die Ski und steigen auf den Mount Annupuri auf 1308 m, begleitet von starkem Wind und Schneefall.

Oben bietet uns der Guide zwei Varianten an: eine lange Pulverschneeabfahrt oder eine kürzere Abfahrt zu einem natürlichen Onsen mitten im Wald, anschliessend ein kurzer Wiederaufstieg mit Fellen. Bei diesem Wetter verzichten wir auf das Bad im Freien.

Zurück im Hotel geniessen wir eine wohlverdiente Bierpause und anschliessend den hoteleigenen Onsen. Badebekleidung und Kameras sind verboten. Das Wasser ist 41 bis 42 Grad warm, mit einem Innen- und einem Aussenbecken in natürlicher Flussatmosphäre. Nach dem Bad kurz in den Pulverschnee liegen, dann wieder zurück ins warme Wasser.

Am Abend erwartet uns ein reichhaltiges japanisches Buffet mit Dessertauswahl und Schokoladenbrunnen. Die verlorenen Kalorien sind definitiv wieder da.

Samstag, 17.01.2026

Chise Nupuri und Nito Nupuri

Heute geht es abseits der klassischen Routen. Nach etwa 20 Minuten Busfahrt beginnen wir den Aufstieg auf einer breiten Strasse. Beim ersten Schild wird klar: Wir gehen auf einer Autobahn. Limit 40 km/h. Wir halten uns an die Beschilderung und steigen links hoch.

Am Gipfel des Chise Nupuri auf 1134 m bläst starker Wind, es schneit. Nach kurzem Umziehen folgt eine traumhafte Abfahrt, die alle Erwartungen an japanischen Pulverschnee erfüllt.

Weiter geht es auf den Nito Nupuri auf 1080 m. Obwohl es kalt ist, merken wir es kaum, die Snickers im Rucksack sind trotzdem steinhart gefroren. Die Abfahrt ist erneut sensationell, so gut, dass wir nochmals aufsteigen, um die beste Passage ein zweites Mal zu fahren.

Direkt beim Bus endet unsere Tour. Zwei Minuten später halten wir bei einem Onsen, geniessen ein Bier im 40 Grad warmen Wasser. Am Abend essen wir im Hilton Niseko an der Theke direkt vor dem Koch. Ein Genuss. Zurück im Hotel rundet ein Whisky den Tag ab.

Sonntag, 18.01.2026

Rusutsu

Heute fahren wir nach Rusutsu, etwa 40 Minuten entfernt. Der Skipass wird in einem riesigen Hotel gelöst, mit Einkaufszentrum, nostalgischem Karussell und Freizeitpark. Wir fahren auf den Mount Isola auf 994 m.

Es ist erstaunlich, wie viel Schnee hier auf dieser Höhe liegt. Der Pulverschnee ist extrem leicht, teilweise so dicht, dass er ins Gesicht spritzt und das Atmen erschwert. Die Stimmung ist märchenhaft, fast erwartet man jeden Moment Waldgeister.

Wir fahren mehrere Lifte, darunter erneut Sesselbahnen ohne Sicherungsbügel. Die Sicherheitsstandards unterscheiden sich deutlich von unseren.

Montag, 19.01.2026

Weisshorn

Geplant war eine Überschreitung über den Annupuri, doch wegen erhöhter Lawinengefahr wird umdisponiert. Wir fahren mit dem Bus zum sogenannten Weisshorn. Warum es so heisst, wissen wir nicht, hier ist ohnehin alles weiss.

Während wir auf Informationen warten, beobachten wir ein Hochzeitsfotoshooting auf der Skipiste. Entlang der Strasse ragen meterhohe Schneewände auf, der Verkehr wird von einem Einweiser mit leuchtendem Stab geregelt, fast wie ein Jedi.

Das Wetter hält, was es verspricht: Wind und starker Schneefall. Die Abfahrten sind erneut fantastisch. Ein japanischer Guide begrüsst uns respektvoll mit einer Verbeugung, später helfen wir seinem Kunden, der im tiefen Schnee nicht mehr aufsteht.

Während der Mittagspause messen wir die Schneehöhe: 2.90 Meter. Zurück im Hotel warten Bier und Onsen, das Abendessen nehmen wir in einem italienischen Restaurant im Dorf ein.

Dienstag, 20.01.2026

Kiroro und Furano

Frühstück um 6.30 Uhr, dann Abfahrt Richtung Furano. Über Nacht sind 50 cm Neuschnee gefallen. Unterwegs stoppen wir in Kiroro für eine Tour mit Fellen. Es sind minus 10 Grad und es schneit kräftig.

Der Aufstieg durch den Wald ist wunderschön, oben empfängt uns der Sturm. Stefan spurt in 60 bis 80 cm Neuschnee, die Leichtigkeit des Schnees ist unglaublich. Die Abfahrt ist überwältigend, teilweise müssen wir anhalten, um wieder Luft zu bekommen.

Nach einem Fish and Chips fahren wir weiter. Bei einer Tankpause rollt der Bus im Leerlauf leicht zurück und touchiert ein anderes Auto. Kein Schaden, trotzdem wird die Polizei gerufen. Zwei freundliche Polizisten regeln alles unkompliziert.

In Furano erinnert das Hotel von aussen an Russland, die Zimmer sind jedoch grosszügig. Highlight: Die WC-Brille öffnet sich automatisch. Zum Abendessen gibt es koreanisches BBQ. Gemüse bleibt weiterhin Mangelware.

Mittwoch, 21.01.2026

Sandan Yama und Natur-Onsen

Es schneit erneut stark. Wir fahren ins Hakuginso Resort und steigen Richtung Sandan Yama auf. Die erste Abfahrt ist aufgrund der enormen Schneemenge anspruchsvoll, bis wir in eine steilere Passage zwischen 30 und 40 Grad kommen.

Die Abfahrt ist so gut, dass wir sie dreimal wiederholen. Danach halten wir bei einem Hotel für ein Bier und fahren weiter zu einem natürlichen Onsen. Der Weg ist märchenhaft, inmitten der Schneelandschaft dampft eine heisse Quelle.

Das Wasser ist extrem heiss, deutlich über 42 Grad. Draussen Schneefall, wir im warmen Wasser mit einer Bierdose. Unvergesslich. Abends essen wir in einem typischen Grillrestaurant, sitzend am Boden. Die Beweglichkeit wird auf die Probe gestellt.

Donnerstag, 22.01.2026

Hanmen Yama

Unser letzter Skitag. Wir entscheiden uns für den Hanmen Yama auf 1377 m, da der Aufstieg windgeschützt ist. Der Asahi Dake, höchster Gipfel Hokkaidos, bleibt unangetastet.

Die Entscheidung ist goldrichtig. Perfekte Stimmung, erstklassiger Pulverschnee, ein würdiger Abschluss. Zum Abschluss besuchen wir ein Tea-Room und probieren Baumkuchen. Am Abend finden wir einen kleinen Pub mit hervorragendem Essen, lokalem Whisky und überraschend schweizerdeutschem Jodel. Grossartige Stimmung.

Freitag, 23.01.2026

Rückkehr nach Sapporo

Während Stefan und Michael noch eine letzte Tour machen, fahren wir mit dem Zug nach Sapporo. In der Bahnhofshalle stürzen wir uns auf französische Viennoiserien. Nach einem Mittagessen im alten Regierungsgebäude gehen wir shoppen.

Abends treffen wir uns alle wieder im Flughafenhotel. Frühstücksbeobachtungen, Esskultur, Bier statt Wein, 10’000-Yen-Noten und kantige japanische Autos sorgen für Diskussionen.

Samstag, 24.01.2026

Tokyo

Flug nach Tokyo. Abschied von Stefan und Michael. Wir bleiben einen Tag in der Hauptstadt. Besuch eines digitalen Kunstmuseums, Spaziergänge entlang der Kanäle, später ein beeindruckendes Sumo-Erlebnis mit Erklärung der Traditionen und einem üppigen Essen.

Der Abend endet in Shibuya, im Lichtermeer der Stadt. Ein würdiger Abschluss einer aussergewöhnlichen Reise.